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22. maaliskuuta 2017

du hast zwei schatten

Du hast zwei Schatten aber nur eine Sonne.
Die langanhaltende Hitzewelle macht die Tiere unruhig
und die Nerven der Wolken kitzeln das Hirn.
Der Staub riecht lang in meiner Vorstellung.

Nach dem Regen kann man auf den Felsen tanzen, lieben
die Blitze fühlen wie ein tropisches Schiff, wie deinen anderen
Schatten davonschaukelnd, auch, wenn das unmöglich ist.
Nichts ist unmöglich.

Du stillst deinen Schatten wie ein Kind, wie ein Lämmchen saugt es an deiner Brust
während der andere Schatten dich in sich einwickelt.
Da blendet dich die zweite Sonne, sie ist bloß eine Reflexion.
Wie die Welt sich im Spiegelbild zeigt.
Und diese Welt wollen wir.

übersetzt von Reetta Karjalainen

11. marraskuuta 2013

und so versank ich immer tiefer

und so versank ich immer tiefer im schlammigen Boden, jeder Schritt
durchbrach einen neuen Tunnel mit Abzweigungen, man brachte mich
weit weg von mir selber, ich fühlte nicht mehr die Masse zitternden
Gelees, bebender Schrift, jeder Schritt ließ mich vergessen dass ich

nicht vergebens dem Andenken eines Steins Opfer dargebacht habe

und die Regenmenschen, die Gottlosen rieche ich, immer
rieche ich den Wind, wenn sie übers Feld stampfen, überquere
die schwierige Grenze zwischen Luft und Wasser, wieder grobe
Erde zwischen den Zehen, in diesen Augen Eiter und Wolken

sie füllen sich mit Wind, Wasser rinnt auf den Gesichtern

sie atmen gierig den Sprühregen, ich entferne mich und schließe mich
etwas an, das mich zu einem anderen werden lässt, jeder Schritt
gibt sich selber auf, dass der Stift es tun muss das Fleisch muss,

es füllt sich die Nacht, und diese Unverschämten
sie lachen so, so lachen sie
innig
innig

übersetzt von Reetta Karjalainen

9. elokuuta 2013

nach dem schlaf

Am Anfang nur weißes Rauschen.
Am Papier zeichnen sich zwei parallel verlaufende Linien ab,
sie gehen nebeneinander ohne einander jemals zu begegnen.
Wie der Glaube und Vernunft nebeinander gehen,
oder zwei einander gleichende Menschen:
die Liebe streift die nur leicht.

Aber wenn sich zwei Linien überschneiden,
entsteht ein Erdbeben und eine Überschwemmung,
sie kehren nie wieder zurück, sie kehren ein in die Erinnerung.
Das Papier endet aber die Reise der Linie geht weiter.
Segelt dort hin wie bis an den Rand der Welt
der Leere trotzend, Geschichten suchend.

In mitten dieser glänzenden und kreischenden Bilder
bin ich eine Schnecke, die Fühler wittern die Welt
und ich rolle mich in dem Schneckenhaus meiner Zunge zusammen,
ich atme es wie Sauerstoff:
aus der dunklen Wärme bist du
in das dunkle kalt Leben gekommen.

Ich dringe in meine Schale wie in Sauerstoff
aber heute bin ich des Herbstes seichter See,
den der Winter kalt erwischt hat,
Flirten mit dem Altweibersommer.
Heute bin ich ein zugefrorener See und ich leide
an Sauerstoffmangel. Ich fürchte mich vor dem Frühling
und vor an der Oberfläche treibenden Fischen.

Aber der Glaube hält auch einen See am Leben
und ich kehre in mein fragiles Schneckenhaus zurück,
rolle mich dort wie in einer Zunge zusammen:
In der Schale lebt der Glaube weiter.

Ich wollte der Wahrheit begegnen
über mich, der Schatten einer Wolke bedeckt den Teich.
Ich kehrte spiegelnden Oberflächen den Rücken
und suchte nach einer schweren Eichentür,
weil den Suchern ihrer Selbst versprochen wird:
Klopft an und es wird euch geöffnet.
Aber du kannst nicht auf beiden Seiten der Tür stehen.

Die Welt hat zwei Pole: kalt und heiß,
Männchen und Weibchen, Leben und Tod.
Aber aus den Gegensätzen entsteht das Dritte,
die Schatten und Farbtöne auf dem Foto
im Reich von Schwarz und Weiß.

Sicher ist nur, daß Sauerstoff Leben spendet
und schließlich tötet sie uns langsam.
Aber wie bei einem Erdbeben ein tiefer Graben entsteht,
gibt es auch Verschiebungen in Raum und Zeit,
es ist nur eine Frage der Zeit, wann Du dem Riss begegnest
oder der Riss dir begegnet.

Ja, die blinde Nacht schneidet ihren Opfern alles weg
außer der Trauer

Sie schneidet die Hörner, das Schneckenhaus und den Sauerstoffmangel
sie schneidet das Papier und den Spiegel und die Türen

es bleibt nur die Dunkelheit um das Licht zu spüren.

übersetzt von Reetta Karjalainen

15. kesäkuuta 2013

badegedicht

Ich sitze untätig, aus meinem Mund
kommen unbedachte Sätze

Ich laufe auf Schlittschuhen über den Cocytus-See,
ziehe die Mütze fester, esse Blutwurst

Du rufst die Muße vom dunklen Meer
Du ruderst und ruderst Dir die Handflächen blutig

Es gibt kein Wasser, das zu kalt zum Schwimmen wäre

Wurde der Rabe noch weiß
noch immer wohnt uns ein Oberster Unterster inne

übersetzt von Reetta Karjalainen

20. huhtikuuta 2013

verschlossene zimmer

Während du schliefst war in die Wand neben die Standuhr eine Tür gewachsen.
Du standest auf, ein Gang

für dich. Den Tag hinter dir lassend schaust du in den Phosphormond,
wie er durch das Fenster scheint, zwei andere Türen beleuchtet,

die Farbe an den Wänden glänzt, mitten im Zimmer
öffnen sich große Finger wie ein Fächer oder schwarze Blumenblätter
Kaltes, schattenloses Zimmer.

Die Zimmer fliegen und rollen auf dich zu, wenn du die Tür öffnest, schnappt
die vorige zu, endlose Zimmer, man schleppt dich

aus dem Traum heraus. Raue Phallusstatuen und limbische kreischende Bilder,
du wirst gegraben und aufgelockert,

bis zum Ende.
Der Griff ist kalt und staubig, die Zeiger stumm.
Du malst und schnitzt, hoffst, dass niemand das Zimmer betritt.

übersetzt von Reetta Karjalainen